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Sonntag, 22. April 2018

Saum mit dem Blindstich nähen


Normaler Weise nähe ich meine Säume mit der Zwillingsnadel. Das ist aber schwierig, wenn der Saum rund ist, meistens näht man dann Falten rein und so richtig gut sieht das nie aus. Als Alternative bleibt natürlich immer der Blindstich per Hand. Aber ich gestehe, ich bin faul und einen vollen Tellerrock per Hand säumen dauert ja Abende... und da ich momentan meine Abende lieber lesend auf dem Balkon verbringe statt per Hand nähend vor dem Fernseher musste eine Alternative her, damit ich den Rock noch dieses Frühjahr tragen kann.

Tellerrock Miala_gesäumt mit Blindstich


Da fiel mir ein, dass meine Maschine ja auch Blindstich kann. Die hat sogar 2 Blindstiche, einen für Webware und einen für dehnbare Stoffe.

Blindstich nähen - Stichauswahl



Also hab ich das gleich mal ausprobiert. Ich muss aber gestehen, das sah leichter aus, als gedacht. Ich musste ganz schön probieren, bis es klappte. Damit ich es beim nächsten Mal leichter habe, habe ich alle Einstellungen und die wichtigen Hinweise notiert.

Als Zubehör benötigt man:

  • den Blindstichfuß der Maschine
  • Garn in Kontrastfarbe und Garn in Stofffarbe
Der Blindstichfuß hat in der Mitte eine Schiene, die direkt an der Stofffalte entlang läuft. Links und rechts davon sind Aussparungen für die Nadel, die mal auf der Saumaußenseite und mal auf der Sauminnenseite entlang einsticht.

Blindstichfuß

1. Schritt:

Sollte der Stoff ausfransen, müsste man natürlich zuerst die Kante versäubern. Das war bei meinem Stoff hier nicht der Fall, daher habe ich die Kante so gelassen.

Zuerst wird die gewünschte Breite des Saums abmessen und von links gebügelt. Ich habe hier 3 cm genommen. Inbesondere bei runden Säumen sollte man mit sehr viel Dampf arbeiten, damit sich die Mehrweite so weit wie möglich zusammen zieht. Ich stecke dann brav alle paar Zentimeter und verteile dabei die übrig gebliebene Mehrweite so gut es geht.

Blindstich nähen - Schritt 1: Saum umbügeln

2. Schritt:

Damit ich beim "blind nähen" nicht mehr den Stoff festhalten muss und nichts verrutscht, fixiere ich den Saum jetzt mit einem Garn in ordentlich greller Kontrastfarbe (den muss man ja nachher wieder entfernen).

Ich nehme dabei folgende Einstellungen:
- Fadenspannung auf 1
- maximale Stichlänge
- nicht verriegeln
- 7 mm (füßchenbreit) von der Stoffkante entfernt, somit wird sichergestellt, dass der Blindstichfuß richtig über den Saum gleiten kann und sich der Stoff nicht reinrollt

Blindstich nähen - Schritt 2: Saum mit Kontrastgarn heften

3. Schritt:

Und nun kommt der eigentliche Blindstich. Aber erst einmal wird umgefädelt mit zum Stoff farbenen Garn. Außerdem kommt jetzt der Blindstichfuß zum Einsatz.
Dazu wird der Saum an der Heftnaht so umgeklappt, dass der Stoff mit der Linken Seite nach oben zeigt, rechts liegt die 7 mm Kante.

Dieses Mal habe ich folgende Einstellungen verwendet.
- Fadenspannung wieder zurück auf "neutral" stellen
- Stich Nr. 12 wählen (bei dehnbaren Stoffen)
- Nadel um -2 nach links versetzen, damit die Nadel wirklich den Stoff greift

Blindstich nähen - Schritt 3: Blindstich nähen


Beim Nähen musste ich den Stoff immer wieder gegen die Schiene am Nähfuß drücken, sonst sticht die Nadel daneben. Das war nicht ganz einfach und immer wieder hat der Stich nicht richtig gegriffen. Da muss ich noch ein bisschen üben. Trotzdem hält der Saum insgesamt aber fest und klappt nicht runter.

Und so sieht der Stich dann aus: auf der Innenseite des Saums sieht man einen kleinen Zickzack, der ist für dehnbare Stoffe geeignet, da er sich mitdehnt (das wäre bei einem Tellerrock natürlich nicht unbedingt nötig gewesen, schadet aber auch nicht). Auf der Stoffaußenseite greift der Stich idealer Weise nur ganz knapp.



4. Schritt:

Nun kann man das farbige Heftgarn entfernen und den Stoff wieder zurückklappen. Wie man sieht, sieht man von außen (fast) nichts.

Blindstich nähen - Schritt 4: Heftgarn entfernen


5. Schritt:

Schließlich wird der Saum noch einmal gebügelt. Die Naht sieht man von außen kaum und auch von innen sieht es schön ordentlich aus.

Blindstich nähen - Schritt 5: Saum bügeln


Ich hoffe, das Tutorial hilft auch Euch. Erzählt mal, nutzt Ihr den Blindstichfuß Eurer Maschine? Und wie gelingt Euch das Saum damit? Habt Ihr Fragen? Immer her damit!

Montag, 3. April 2017

5 Tipps zum Nähen mit der Zwillingsnadel

Wenn man Nähanfänger ist, sitzt man relativ schnell vor dem Problem, an einem Oberteil einen möglichst geraden Saum zu nähen, der bitteschön auch noch einigermaßen professionell aussehen soll.

Schaut man sich gekaufte T-Shirts an, sieht man auf der Vorderseite in der Regel zwei Nahtlinien in einem Abstand wenigen Millimetern übereinander. Auf der Rückseite findet man ein gleichmäßig verschlungenes Fadengewirr gekreutzter Fäden, die die umgeschlagene Stoffkante umfassen. Dabei handelt es sich um einen Coverstich, der mit mehreren Fäden und 2 Nadeln genäht wird. Natürlich hat kaum ein Anfänger eine Coverstitch-Maschine zu Hause stehen. Die Maschinchen kosten nämlich richtig viel Geld!

Nähen mit der Zwillingsnadel: 5 Tipps

Aber es gibt eine Lösung: die Zwillingsnadel! Eigentlich handelt es sich um zwei Nadeln, die an einem Steg befestigt sind, der wiederum am Nadelschaft sitzt. Statt mit nur einem Oberfaden nutzt man zwei Oberfäden. Mit den zwei Nadeln werden also wie beim Coverstich zwei Nahtlinien auf der rechten Seite des Stoffes genäht. Der Unterfaden wird im Zickzack auf der linken Seite des Stoffes geführt. Durch diesen Zickzack ist der Stich dehnbar und reißt nicht, wenn der Saumbund über ein Speckröllchen muss.

Klingt eigentlich ganz einfach, trotzdem ist der Stich etwas tricky und man muss ein paar Tricks kennen. Kennt man die nicht, kann es passieren, dass auf der Rückseite kein richtiger Zickzack entsteht und die Naht nicht dehnbar ist. Das andere Extrem ist eine "Wurst", die sich zwischen den beiden Nahtlinien bildet, weil der Stoff zusammengezogen wird.

Mit der Zwillingsnadel näht man auf der rechten Seite. Um mit dem Saumrand genau zwischen die beiden Nadeln zu treffen, zeichne ich mir den gewählten Saumabstand mit Kreide auf der Vorderseite auf. So weiß ich, wo Nadel hin muss (und es hilft mir auch noch, gerade zu nähen).

Nähen mit der Zwillingsnadel: Nahtlinie aufzeichnen


Wie Ihr eine richtig schöne Zwillingsnaht hinbekommt, erzähle ich Euch mit ein paar Tricks, die ich durch viel ausprobieren und recherchieren zusammen getragen habe:

1. Die richtige Nadelart wählen

Wie bei normalen Nadeln auch, ist es enorm wichtig, die richtige Nadelart zu verwenden. Wenn man also einen T-Shirt-Jersey nähen möchte, dann empfiehlt sich eine Jersey, oder gar eine Stretch-Nadel. Auf keinen Fall sollte man eine Universalnadel nähen, um Stoffschäden zu vermeiden.

2. Die richtige Nadelbreite wählen

Außerdem gibt es die Zwillingsnadel in verschiedenen Breiten. Hier sollte man unbedingt zuerst in seiner Bedienungsanleitung nachlesen, welche Nadelbreite möglich ist. die darf natürlich nicht weiter sein als das Loch in der Stichplatte und im Nähfuß. Liegen die beiden Nadeln weiter außen, können sie auf den Nähfuß oder auf die Stichplatte treffen und abbrechen!
Beim Einfädeln achtet Ihr dann darauf, dass beide Fäden ordentlich zwischen den Spannungsscheiben liegen und ohne sich zu verheddern in beide Nadelöhre eingefädelt sind.

Nähen mit der Zwillingsnadel: richtig einfädeln

3. Oberfadenspannung

Weiter oben habe ich ja schon erzählt, dass der Unterfaden ein elastisches Zickzackmuster ergeben soll. Ist die Fadenspannung zu schwach, entsteht kein ordentliches Muster und der Stich ist nicht elastisch. Also muss man die Fadenspannung erhöhen. Ich nähe normaler Weise mit einer Oberfadenspannung von 4. Für das Nähen mit der Zwillingsnadel nähe ich eher mit 6 oder 7. Das hängt ein natürlich von der Stoffart ab, probiere es also immer vorher auf einem Reststück des Stoffes aus.


4. Stichlänge

Das Erhöhen der Fadenspannung führt andererseits dazu, dass der Stoff zusammen gezogen wird und zwischen den beiden Nahtlinien eine Art Wurst entsteht - sieht natürlich nicht schön aus! Dem kann man entgegen steuern, indem man die Stichlänge erhöht. Ich wähle z.B. eine Stichlänge von 4.

Nähen mit der Zwillingsnadel: Nähmaschine richtig einstellen


5. Langsam nähen!

Und schließlich ganz wichtig: auf keinen Fall darf man mit Vollgas nähen. Ich hatte relativ am Anfang meiner Nähkarriere schon mit einer Zwillingsnadel genäht und eine schöne Naht hinbekommen. Später wollte ich sie wieder nutzen, aber die Naht sah nicht schön aus und zu allem Überfluss brach auch noch die Nadel ab! Und ich hatte keine Ahnung was plötzlich schief lief. Dabei war die Lösung ganz einfach: Am Anfang war ich unsicher und hab immer langsam genäht. Jetzt fühlte ich mich sicher und trat das Nähpedal voll durch. Tja, blöder Fehler!
Nachdem ich den Fehler erkannt hatte, stellte ich die Nähgeschwindigkeit auf die Hälfte runter und nähte nur noch langsam. Seitdem klappt es wieder!

Ich habe sogar ein kleines Video gedreht, wie das bei mir aussieht. Und nächstes Mal denke ich auch daran, das Video im Querformat zu machen, versprochen!


Fazit:

Ich hoffe die Tipps zur richtigen Nadelwahl, zu den Einstellungen an der Nähmaschine und der Nähgeschwindigkeit helfen Euch. Ich würde Euch auf jeden Fall immer erst einmal raten, Eure Bedienungsanleitung zu studieren, oft stehen da noch ein paar hilfreiche Tipps drin, die ggf. auch von meinen Empfehlungen abweichen. Außerdem probiert ein paar Einstellungen auf einem Probestück aus, bevor Ihr an Euer Nähstück geht. Je nach Stoffart müsst Ihr ein bisschen variieren.



Und nun wünsche ich Euch viel Erfolg und viel Spaß beim Ausprobieren! Wenn Ihr weitere Tipps habt, immer her damit!