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Sonntag, 12. November 2017

The Wardrobe Architect - Teil II: Was macht meinen Stil aus

Heute geht es weiter mit den Gedanken zu meiner Garderobe (hier geht es zum ersten Teil).

Mein Kleiderschrank ist aufgeräumt, jedes Stück in die Hand genommen und entschieden, ob es bleiben darf. 10 Hosen mussten gehen, so etwa 30 Kleiderbügel wurden leer und tütenweise Socken wurden entsorgt. Und ich habe immer noch viel - aber es fühlt sich besser an.

Als wird es Zeit für einen nächsten Schritt.



Ich hangel' mich ja durch die einzelnen Wochen der Wardrobe Architect-Reihe von Colette. Heute steht das Thema an "Making Style more personal". Dabei geht es um die Frage, was Individualität eigentlich ist und durch was die eigene Individualität beeinflusst wird. Colette stellt dazu einige Fragen, von ich die für mich relevanten beantworten möchte:

History

Wie hat meine eigene Geschichte die Art, mich zu kleiden beeinflusst? Wann hat sich mein Stil entwickelt und hat sich mein Stil in den letzten Jahren geändert?

Ich stamme aus einem eher bürgerlichen, etwas konservativem Elternhaus. Meine Eltern haben mich immer verwöhnt und auch als "Ossikind" hatte ich eigentlich alles, was ich mir gewünscht habe. In meiner Kindheit und Jugend hatte ich immer gute Kleidung, aber den neuesten Trends bin ich nie so recht gefolgt. Zu meiner Schulzeit war zum Beispiel bauchfrei sehr "in" - allerdings nicht bei mir. Und als ich dann endlich auch mal eine farbige Karottenjeans hatte, war ich glücklich. Dabei war die fast schon wieder out.

Später dann, als ich allein für meine Kleidung gesorgt habe, habe ich mich immer eher unsicher gefühlt. Ich glaube, ich lerne erst jetzt so langsam, was mir eigentlich steht und was nicht. Und vor allem auch, was ich mag und worin ich mich gut fühle.

Philosophy


Wie haben meine Philosophie (ich bin mir nicht sicher, ob ich das hier so 1:1 übersetzen sollte), meine Spiritualität oder meine Religion mein Gefühl für Ästhetik und meine Kaufgewohnheiten beeinflusst. 

Die Frage finde ich schwierig. Ich bin nicht religiös oder gläubig. Kleidervorschriften in diesem Sinne kenne ich also nicht. Aber bestimmte Regeln und Grenzen existieren dennoch. So würde ich z.B. Flipflops nie als Schuhe bezeichnen, mit denen ich durch die Stadt laufen würde. Für den Strand oder für's Freibad - fertig. Genauso wenig würde ich in Jogging-Hosen auch nur den Supermarkt nebenan besuchen. Da ist sie wohl wieder, die eher konservative Erziehung.

Activities


Wie beeinflussen meine täglichen Aktivitäten meine Kleiderwahl?

Sehr, würde ich sagen. In meinem Job gab es vor allem zu Beginn meiner Karriere sehr strenge Kleidervorschriften: Kostüm oder Hosenanzug, idealerweise maßgeschneidert, darunter Bluse oder dezentes, hochwertiges Shirt. Dazu geschlossene Schuhe mit Absatz und dezenter Schmuck. Also wie in einer Bank.

Das hat zum einen zu einem eher langweiligen Bürooutfit geführt - meistens trug ich Hosenanzüge von Dolzer. Und zum anderen hieß und heißt das aber auch, dass ich quasi eine zweite Garderobe für privat benötige, dann in meiner Freizeit mag ich natürlich nicht im Bürooutfit herumlaufen.

Zum Glück hat sich das in den letzten Jahren ein wenig gelockert. Jeans und Sneaker kämen im Büro immer noch nicht in Frage, aber eine Stoffhose oder ein Rock mit einfarbigem Shirt und Strickjacke gehen inzwischen ganz gut. Und mit Tüchern und nicht zu buntem Schmuck kommt Farbe rein.
Das führt aber auch dazu, dass ich mehr Kleider und Röcke trage und merke, dass ich mich darin wohl fühle und gern mehr davon hätte.

In der Freizeit bin ich eher in Jeans und T-Shirt unterwegs. Aber davon möchte ich eigentlich auch ein bisschen weg und auch in der Freizeit mehr Kleider tragen.

Location

Beeinflusst mein Wohnort meine Art, mich zu kleiden? Spielt das Klima eine Rolle?

Ja klar, aber das ist im deutschsprachigen Raum ja normal. Man braucht eine leichte Sommergarderobe und warme Wintersachen.

Im Sommer mag ich fließende Stoffe aus Viskose und ähnlichem, wobei es im Büro aufgrund der Klimanlage trotzdem gern langärmelig sein darf. Im Winter mag ich gern den Lagenlook mit Strickjacke. Und ich liebe Stiefel!

Ansonsten lebe ich in Berlin. Hier gilt ja Leben und Leben lassen, keiner schaut mehr hin, wenn sich jemand auffällig kleidet - nicht, dass ich auffällig kleiden würde, aber ich mag den Gedanken zumindest.

Body

Wie beeinflusst mein Körper meine Kleiderwahl? Welche Kleidung lässt mich gut fühlen? Welche Kleider lassen mich unkomfortabel fühlen?

Eigentlich komme ich ganz gut mit mir klar. Ich kenne meine Schokoladenseiten (ich mag meinen Oberkörper und meine Taille. Und meine Füße ;-) ) und weiß, dass meine Hüften und mein Hintern etwas zu ausdehnend sind. Und ich bin etwas kurz geraten. Aber Probleme habe ich damit eigentlich nicht.

Trotzdem bin ich nicht immer sicher, was mir eigentlich steht. Ich glaube, ich tendiere dazu, zu weit zu tragen und könnte gern mal engere Sachen anziehen? Andererseits habe ich aber auch echt Probleme, im Laden Kleidung zu finden, die wirklich passt. Gerade Hose sind ein Drama. Passt es an der Taille (und in der Länge), komme ich mich mit dem Hintern nicht rein. Bekomme ich die Hose über die Hüfte, dann ist der Bund viel zu weit.


Was sagt mir das jetzt alles?


Ich kleide mich eher konservativ, vorsichtig. Ich mag es aber auch feminin. Ich glaube, da kann ich mutiger werden, mich auch mal in engere Sachen trauen. Und ich hoffe, dass ich lernen kann, Kleidung so anzupassen, dass sie meinem Körper gut passt. Was Oberteile angeht, bin ich da definitiv schon auf dem richtigen Weg. Aber es gibt ja noch mehr. Ein Schnittmuster für perfekt passende Hose wäre ein Traum!

Wohin wird die Reise gehen?


Sonntag, 29. Oktober 2017

The Wardrobe Architect - Teil 1

The Wardrobe Architect


Ich nähe jetzt etwa ein Jahr und hatte eigentlich vorher schon einen riesig vollen Kleiderschrank. Und dann gibt es Tausende wunderschöne Stoffe und vermutlich noch mehr interessante und spannende Schnittmuster.

Und die Nähcommunity ist auch ein bisschen speziell, da werden viele Dinge genäht, die es bisher in meinem Kleiderschrank so noch gar nicht gegeben hat. Ein Lieblingsstück aller Näherinnen ist zum Beispiel ein Hoodie - ich gestehe, ich glaube, ich habe vorher nicht mal den Begriff genutzt. Inzwischen habe ich sogar zwei solcher Kapuzenpullover genäht, einer ist mehr so ein Kuschelpulli für die Couch, der andere (Nelly) ist recht hübsch geworden und den trage ich sogar sehr gern auch außerhalb der heimischen vier Wände.

Andere Schnittmuster sehen im Netz präsentiert von anderen Näherinnen getragen wirklich toll aus. Manchmal sind die sie einfach nur vorteilhaft präsentiert, die Passform ist aber eher so ... Grütze (und nein, ich nenne jetzt keine Namen!). Andere sind toll gemacht, aber stehen mir und meinem Körper einfach nicht.

Auch bei den Stoffen geht es so manches Mal mit einem durch und man kauft Stoffe, an denen man völlig vorbei gegangen wäre, wenn man Kleidungsstücke aus diesen Stoffen im Laden gesehen hätte. So liegt auch bei mir der "little bird told me"-Stoff. In rosa. Mit Vögelchen. Was hab ich mir denn dabei bitte gedacht? Vermutlich gar nichts. Das war eine der ersten limitierten Eigenproduktionen, die mir in meiner Nähkarriere begegnet sind. Und da sind wohl ein paar Synapsen durchgebrannt.
Und dann war da auch noch dieser Seeungeheuer-Jeansjersey von Lillestoff. Den fand ich im Laden sehr cool, aber was ich mir daraus nähen soll, ist mir völlig unklar.



Das alles führt dazu, dass mein Kleiderschrank noch voller wird und eben auch einige Stücke dazu kommen, die nicht wirklich zum Rest passen. Das nervt mich ein bisschen, davon möchte ich gern weg. Diese Gedanken wurden intensiviert durch den Podcast "Love to sew" und inbesondere die Episode 4 "Modern Sewing with Katie Marcus". Darin wurde die Aktion "The Wardrobe Architect" von Colette erwähnt. In 2014 hat Colette hier über mehrere Posts hinweg und angetrieben durch die selben Gedanken ihren Kleiderschrank und ihre Nähpläne aufgeräumt. Das würde ich nun in loser Folge auch tun. Jedenfalls fange ich einfach mal an, ob das auf Dauer das Richtige für mich ist, werden wir sehen.


Was wird also hoffentlich demnächst passieren?

  • ich räume erst einmal meinen Kleiderschrank auf. Dazu nutze ich die KonMari-Methode nach der japanischen Aufräumenthusiastin Marie Kondo. Mir gefällt der Grundsatz: "Ich behalte nur noch, was mich glücklich macht" im Gegensatz zu ich miste aus und sortiere aus, was weg kann. Also radikal alles raus und den Schränken und zurück darf nur noch, was ich wirklich mag.
  • und dann will ich herausfinden, was mir wirklich steht. Welche Farben, welche Schnitte, welche Stoffe... Wie gut mir das gelingt, weiß ich noch nicht, aber irgendwo muss man ja mal anfangen!
  • und schließlich möchte ich gern meinen Nähplan daran anpassen.
Ich würde mich freuen, wenn Ihr mich dabei ein wenig begleitet, durch's Lesen, durch Kommentare und natürlich auch gern durch eigene Artikel auf Euren Blogs, Facebookseiten oder Instagram.